Tag des Freibades
Zum heutigen „Tag des Freibades“: Eine sachliche Bestandsaufnahme unserer Bäderlandschaft
Freibäder haben in unserer Samtgemeinde eine enorme Bedeutung. Sie sind wichtige Begegnungsstätten, fester Bestandteil der Daseinsvorsorge und ein unverzichtbares Freizeitangebot für Familien. In Zeiten, in denen kommunale Haushalte finanziell am Limit agieren, erfordert der Erhalt dieser Infrastruktur jedoch klare politische Prioritäten und eine vorausschauende Planung.Ein Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, wo die Herausforderungen liegen: Die drei Bäder verursachen jährlich laufende Kosten von knapp über 500.000 Euro. Die größten Einzelposten teilen sich dabei auf in die Bewirtschaftung (Strom, Wasser, Heizung), die Personalkosten sowie die bauliche Unterhaltung.
Verzögerte Öffnungszeiten und bauliche Planung
Während es in der Vergangenheit üblich war, die beheizten Bäder bereits am ersten Mai-Wochenende zu öffnen, verschieben sich die Termine zunehmend in den Juni oder – wie aktuell in Hepstedt – in den Juli. Als Begründung werden regelmäßig technische Probleme oder noch nicht fertiggestellte Fliesenarbeiten genannt. Im Fall von Hepstedt wurde bereits im vergangenen Jahr aus den Reihen der Politik darauf hingewiesen, den Fliesenleger frühzeitig zu beauftragen. Dass es nun zum wiederholten Mal zu Verzögerungen kam, verdeutlicht, dass die zeitlichen Abläufe im Vorfeld optimiert werden müssen.
Die Personalsituation und die Kosten der Notlösung
Die Personalsituation stellte sich in diesem Jahr als extrem angespannt dar. Aufgrund von Kündigungen stand die Samtgemeinde kurz davor, ohne die rechtlich erforderlichen Fachkräfte dazustehen, was eine Schließung der Bäder zur Folge gehabt hätte. Die Annahme, dass eine Umrüstung der Chlorgasanlagen auf Chlorgranulat für rund 30.000 Euro den Fachkräftemangel kurzfristig löst, hat sich nicht bestätigt.
Um den Betrieb nach dem Ausscheiden einer Fachkraft Ende Juni und einem zeitgleichen krankheitsbedingten Ausfall in Hepstedt zu sichern, wurde kurzfristig ein externer Dienstleister beauftragt. In der Wümme-Zeitung wird diese Maßnahme für das laufende Jahr als „kostenneutral“ beschrieben. Bei einer genauen Betrachtung der Relationen greift dieses Argument jedoch zu kurz:
Eine festangestellte Fachkraft (EG 6) kostet die Samtgemeinde rund 3.300 Euro brutto zzgl. Arbeitgeberanteil im Monat.
Der externe Dienstleister schlägt mutmaßlich mit bis zu 3.500 Euro pro Woche – also rund 14.000 bis 15.000 Euro im Monat – zu Buche.
Selbst wenn die Gesamtbilanz durch ausgefallene Gehälter und verkürzte Öffnungszeiten in diesem Jahr ausgeglichen wirken mag, ist dieses Modell auf Dauer wirtschaftlich nicht tragbar. Das eigentliche Kernproblem ist die hohe Fluktuationsrate beim Badpersonal. Hier gilt es, die Ursachen für den ständigen Personalwechsel sachlich zu analysieren, um wieder Stabilität und attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen.
Kostentreiber Bewirtschaftung: Ansatzpunkte für die Zukunft
Ein weiterer wesentlicher Faktor sind die stark gestiegenen Bewirtschaftungskosten, die sich von ca. 45.000 Euro im Jahr 2021 auf geplante 97.000 Euro für das Jahr 2026 mehr als verdoppelt haben. Hier müssen konkrete Effizienzmaßnahmen greifen:
Photovoltaik prüfen: In Hepstedt muss die tatsächliche Effizienz der PV-Anlage genau ausgewertet und optimiert werden.
Wärmenetz Wilstedt: Für das Bad in Wilstedt müssen zeitnah zielführende Gespräche mit dem Betreiber des zukünftigen Wärmenetzes aufgenommen werden. Die in der Presse genannten 13 Cent/kWh sind wirtschaftlich nicht alternativlos; das Ziel für die Kommune muss ein tragbarer Tarif von ca. 5 Cent/kWh sein.
Strom-Neuausschreibung: Durch eine Neuausschreibung der Stromverträge lassen sich Einsparungen erzielen, wie Beispiele aus anderen Landkreisen zeigen, in denen die Preise pro Kilowattstunde wieder unter die 20-Cent-Marke gefallen sind.
Fazit
Zusätzlich zu den laufenden Kosten stehen in naher Zukunft investive Maßnahmen an den Beckenköpfen bevor. Personalstabilität, Energieeffizienz und eine vorausschauende Bauplanung sind die drei großen Aufgaben, die wir jetzt konsequent und strukturiert anpacken müssen. Nur mit einer fundierten, langfristigen Strategie sorgen wir dafür, dass der Betrieb unserer Freibäder auch in den kommenden Jahren verlässlich gesichert ist und wir den „Tag des Freibades“ weiterhin positiv begehen können.