Informationsabend Freiflächen-PV in Breddorf
Zwischenbilanz oder Offenbarungseid?
Letzte Woche fand in Breddorf eine Informationsveranstaltung zum Thema Freiflächen-Photovoltaik statt. Mein Fazit: Die Diskussionen dort spiegeln exakt das wider, was wir momentan in fast allen Gemeinden erleben.
Zwei zentrale Fragen standen im Raum, die den Kern der aktuellen Debatte treffen:
Gibt es seitens der Politik eine gemeinsame Strategie beim Ausbau von Windkraft und PV?
Warum wird das Flächenziel für PV in der Samtgemeinde freiwillig von 0,5 % auf 1 % verdoppelt, wenn wir bereits eine enorme Konzentration von Windkraftanlagen haben?
Versäumte Steuerung und mangelnde Weitsicht
Man kann zum Ausbau der Erneuerbaren Energien stehen, wie man will – aber genau um diese Fragen hätte sich die Kommunalpolitik frühzeitig kümmern müssen. Stattdessen zeigt sich ein ernüchterndes Bild:
Steuerungsmöglichkeiten ungenutzt: Weder Mindest- noch Maximalgrößen für Anlagen wurden festgesetzt.
Abhängigkeit von Projektierern: Die Flächenanalyse wurde faktisch Externen überlassen.
Politisches „Abnicken“: Entgegen der Behauptung, der Kriterienkatalog sei einstimmig beschlossen worden, zeigt die Realität, dass viele Ratsmitglieder die Vorlagen ohne tiefere Prüfung durchgewunken haben.
Die Begründung, man wolle durch die Flächenverdopplung den Mitgliedsgemeinden mehr Spielraum geben, wirkt vor diesem Hintergrund leider wenig ehrlich.
Wer trägt die Verantwortung?
In Wilstedt und Kirchtimke stockt der Prozess, in Breddorf wurden Fakten geschaffen. Die Antwort des Samtgemeindebürgermeisters (für Kirchtimke): Der Projektierer sei schuld gewesen, da dieser ohne Absprache Planungen vorgelegt habe, die den Ort förmlich „umschlossen“ hätten.
Das ist schwer zu glauben. Ein Projektierer spricht im Vorfeld mit Grundstückseigentümern. Zudem sollte die Politik die Oberhand behalten – besonders nachdem in Wilstedt der öffentliche Druck durch einen Bürgerantrag so groß wurde, dass die Politik das Heft des Handelns faktisch aus der Hand geben musste.
Augenhöhe sieht anders aus
Ob beim Thema PV oder beim Weidedamm: Die Bürger fühlen sich nicht mitgenommen.
Sätze wie „Es ist mir eine Herzensangelegenheit“ oder „ein inneres Bedürfnis zu helfen“ klingen hohl, wenn gleichzeitig die Gespräche auf Augenhöhe fehlen und die Überzeugung zur echten Problemlösung vermisst wird.
Was wir brauchen, ist politischer Weitblick und echte Bürgerbeteiligung von Anfang an – statt erst Fakten zu schaffen und sich später über den Widerstand zu wundern.