Bildung und Schulen in unserer Samtgemeinde: Die zwei Seiten der Medaille
Ein starkes Bildungsangebot vor Ort ist das Fundament für die Zukunft unserer Kinder und die Attraktivität unserer Region. Um zu verstehen, wie Schule in der Samtgemeinde Tarmstedt funktioniert, lohnt sich ein Blick aus zwei unterschiedlichen Perspektiven: der Sicht von Familien und Schülerinnen bzw. Schülern sowie der Sicht von Verwaltung und Politik.
1. Die Perspektive von Eltern & Schülern: Ein durchgängiger Bildungsweg vor Ort
Für Familien in unserer Samtgemeinde bietet sich ein großer Vorteil: Kinder können hier ihren gesamten Schulweg – von der Einschulung bis zum Abitur – direkt in der Region absolvieren.
- Primarstufe (Grundschulen): Mit den Standorten in Tarmstedt sowie Wilstedt (inklusive der Außenstelle in Bülstedt) stellen wir eine wohnortnahe Grundschulversorgung für unsere dörflichen Strukturen sicher.
- Sekundarstufe I & II (Weiterführende Schulen): An der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Tarmstedt können alle Abschlüsse der Sekundarstufe I sowie die allgemeine Hochschulreife (Abitur / Sekundarstufe II) erworben werden.
Diese Durchgängigkeit garantiert kurze Wege und ein vertrautes Umfeld von den ersten ABC-Schützen bis zum Schulabschluss.
2. Die Perspektive von Verwaltung & Politik: Trägerschaft, Finanzen & Verantwortung
Hinter den Kulissen ist die Organisation unserer Schulen eine komplexe Aufgabe, bei der Zuständigkeiten und Finanzierungstöpfe strikt getrennt sind:
Die Samtgemeinde als Träger der Grundschulen
Für die Grundschulen trägt die Samtgemeinde die direkte Verantwortung. Zu unseren Aufgaben gehören:
- Bauliche Instandhaltung und Ausstattung der Schulgebäude
- Bereitstellung von Nicht-Lehrpersonal (z. B. Hausmeister und Schulverwaltung)
- Organisation und Rahmenbedingungen der Ganztagsbetreuung
- Finanzierung von Baumaßnahmen: Der Landkreis beteiligt sich hierbei mit mindestens einem Drittel an den Kosten.
Der Landkreis als Träger der KGS Tarmstedt
Die weiterführende Schule fällt in die Hauptverantwortung des Landkreises Rotenburg (Wümme):
- Schullastenausgleich: Die laufenden Betriebskosten erstattet der Landkreis der Samtgemeinde entweder per Spitzabrechnung (zu 55 %) oder pauschalisiert nach Schulzweig und Schülerzahl. Für Tarmstedt galt bzw. gilt hierzu eine Sondervereinbarung, die derzeit ausläuft.
- Investitionen: Bei Baumaßnahmen der Sekundarstufe I beteiligt sich der Landkreis mit mindestens 50 %. Baumaßnahmen der Sekundarstufe II finanziert der Landkreis als verpflichtender Träger zu 100 %.
- Schülerbeförderung: Die Organisation und Finanzierung des Schulbusverkehrs liegt ebenfalls beim Landkreis (abhängig von Jahrgangsstufe und Entfernung).
Was wir vor Ort politisch entscheiden und finanzieren
Über die Pflichtaufgaben hinaus investiert die Samtgemeinde gezielt Geld, um den Schulalltag und die Betreuung Qualität einzuhauchen:
- Schulsozialarbeit (107.000 € / Jahr): Obwohl die Schulsozialarbeit eigentlich Aufgabe des Landes Niedersachsen ist, springt die Samtgemeinde hier als freiwillige Leistung ein. Solange das Land die Kosten nicht übernimmt, sichern wir diese wichtige Unterstützung in enger Abstimmung mit den Schulen ab.
- Schulverpflegung (ca. 300.000 € / Jahr): Damit unsere Kinder ein gesundes Mittagessen erhalten, bezuschusst die Samtgemeinde die Verpflegung über den Verein Kombüse e.V. erheblich.
- Anmeldung von Unterhaltungsbedarfen: Die Schulen melden jährlich ihren Sanierungs- und Reparaturbedarf an. Nach einer gemeinsamen Bereisung der Standorte werden die Mittel im Haushalt eingeplant.
Fehlende Umsetzung belastet die Finanzen:
Wenn veranschlagte Mittel – teilweise rund 400.000 € pro Jahr – zwar im Haushalt beschlossen, aber personell oder organisatorisch nicht abgearbeitet werden, ist das ein Problem. Diese ungenutzten Mittel belasten die Mitgliedsgemeinden unmittelbar über die Samtgemeindeumlage. Das betrifft den Schulbereich genauso wie alle anderen Verwaltungsbereiche.
Vorausschauende Planung statt Versäumnisse:
Wie wichtig Weitblick ist, zeigte sich Anfang des Jahres bei der alternativlosen Schließung der Horte. Weder Politik noch Verwaltung hatten die daraus resultierende Betreuungslücke in den Ferien rechtzeitig bedacht. Die Folge: Eltern mussten mangels Alternativen getrennt Urlaub nehmen, um die Kinderbetreuung aufzufangen. Solche Planungsfehler dürfen sich nicht wiederholen.
Meine Ziele für die Schulpolitik in der Samtgemeinde
Um unsere Schulstandorte zukunftsfähig, modern und verlässlich aufzustellen, setze ich auf folgende Schwerpunkte:
- Konsequente Abarbeitung geplanter Maßnahmen: Beschlossene Sanierungen und Investitionen an den Schulliegenschaften müssen zügig umgesetzt werden, anstatt sie von Jahr zu Jahr durchzuschleppen.
- Verlässliche Ferienbetreuung: Kontinuierliche Evaluierung des Betreuungsbedarfs in den Ferien und flexible Anpassung des Angebots, damit Familien Planungssicherheit haben.
- Bewirtschaftungskosten senken: Die Reduzierung von Verbräuchen bei Strom, Gas und Wasser ist nicht nur ökologisch geboten, sondern dient uns als entscheidender finanzieller Hebel gegenüber dem Landkreis beim Schullastenausgleich.
- Energetische Sanierung & Hitzeschutz: Vorantreiben von energetischen Sanierungsmaßnahmen im Rahmen der gesetzlichen Klimaneutralität – inklusive moderner Wärmeschutz- und Kühlungskonzepte für lernfreundliche Temperaturen im Sommer.
- Unterstützung beim Ganztagsangebot: Gezielte Nachjustierung und Unterstützung der Schulen, falls die sogenannte „Monetarisierung“ von Lehrerstunden durch das Land für ein qualitätsvolles Ganztagsangebot nicht ausreicht.