Transparenzbericht: Ungeklärter Kostensprung im Heidebad Wilstedt & Wirtschaftlichkeitsvergleich vor dem Nachtragshaushalt
1. Ausgangslage & Ungeklärte Fragen zum Nachtragshaushalt
Am kommenden Dienstag steht im Samtgemeinderat die Beratung und Abstimmung über den Nachtragshaushalt auf der Tagesordnung. Ein zentraler Punkt wirft erhebliche Fragen auf: Warum klettern die geplanten Bewirtschaftungskosten für das Heidebad Wilstedt im Plan 2026 auf 65.500 €?
In den Fachausschüssen gab es dazu seitens der übrigen Ratsmitglieder erstaunlicherweise keinerlei Nachfragen oder Diskussionen. Die Erhöhung wurde schweigend durchgewinkt. Eine von mir per E-Mail an die Verwaltung gerichtete Anfrage – die ich auch öffentlich auf meiner Homepage und auf Facebook thematisiert habe – blieb bis heute unbeantwortet. Eine schlüssige Begründung für diesen Nachschlag liegt weiterhin nicht vor.
2. Blick auf die Zahlen: Der Trend im Bädervergleich (2021–2026)
Betrachtet man die hauseigenen Daten der Samtgemeinde, fällt die Entkopplung der Kosten im Heidebad Wilstedt im Vergleich zu den anderen Freibädern deutlich auf:
- Bad Wilstedt: Während die Kosten 2021 noch bei 30.448 € lagen, stiegen sie kontinuierlich über 36.218 € (2023) und 51.501 € (2024). Für 2025 lag das Ist laut Vorlage SG/593/2025 bei 56.342,22 € – und erreicht nun mit dem Plan 2026 den Rekordwert von 65.500 €. Das ist mehr als eine Verdopplung seit 2021.
- Bad Hepstedt & Bad Kirchtimke: Während in Hepstedt die Planzahlen nach einem Ausschlag im Jahr 2024 (103.618 €) für 2026 wieder deutlich auf 35.000 € gesenkt wurden und Kirchtimke stabil bei 14.000 € geplant wird, kennt der Trend in Wilstedt nur eine Richtung: nach oben.
Entwicklung der Bewirtschaftungskosten (in Euro):
| Bad | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 Plan (Ist) | 2026 Plan |
| Bad Hepstedt | 27.282 € | 41.848 € | 47.119 € | 103.618 € | 59.000 € (30.455 €) | 35.000 € |
| Bad Kirchtimke | 8.477 € | 11.113 € | 12.973 € | 19.100 € | 18.800 € | 14.000 € |
| Bad Wilstedt | 30.448 € | 30.939 € | 36.218 € | 51.501 € | 45.000 € (56.342 €) | 65.500 € |
Dass gleichzeitig im nicht-öffentlichen Teil der anstehenden Ratssitzung über die künftige Wärmelieferung beraten werden soll, macht eine öffentliche, sachliche Gegenüberstellung der Alternativen dringend erforderlich.

3. Technische & Wirtschaftliche Vergleichsrechnung
Um eine transparente Entscheidungsgrundlage zu schaffen, wurden die klimabereinigten Verbrauchsdaten der letzten Jahre (ca. 300.000 kWh th/Jahr) ausgewertet und die geplante Wärmelieferung einer modernen Wärmepumpenlösung (analog zum Umelbad) gegenübergestellt.
Ausgangsdaten & Parameter:
- Jährlicher Wärmebedarf (klimabereinigt): 300.000 kWh
- Biogas-Wärmeliefertarif: 11 Ct/kWh} (0,11€/kWh)
- Gewerbestromtarif: 31Ct/kWh (0,31€/kWh)
- Wärmepumpe (Jahresarbeitszahl / COP): Konservativ angesetzt mit 4,5 (Datenblatt-Wert vergleichbarer Freibad-Wärmepumpen liegt bei 5,0).
- PV-Anlage (50 kWp Bestandsanlage): Durch den kontinuierlichen Grundbedarf von ca. 15kW während der Sommersaison/Öffnungszeiten wird eine Eigenbedarfsdeckung der Wärmepumpe von 20 % durch die bestehende Photovoltaik-Anlage angesetzt.
Systemvergleich im Detail:
Option A: Zukünftige Wärmelieferung (Biogasanlage / Nahwärme)
Bei einem reinen Bezug von thermischer Energie zu 11 Ct/kWh ergeben sich folgende jährliche Laufkosten:
Kosten = 300.000kWh x 0,11€/kWh = 33.000€ / Jahr
Option B: Betrieb einer Groß-Wärmepumpe mit PV-Unterstützung
- Strombedarf gesamt: 300.000kWh\4,5 = 66.666,67kWh
- Netzbezug (80 %): 66.666,67kWh x 0,80 = 53.333,33kWh
- PV-Eigenstrom (20 %): 66.666,67 x 0,20 = 13.333,33kWh (kostenfrei)
- Jährliche Stromkosten: 53.333,33kWh x 0,31€/kWh = 16.533,33€ / Jahr
Ergebnisgegenüberstellung:
| Parameter | Option A: Wärmelieferung (Biogas) | Option B: Wärmepumpe + PV (20 % Eigenstrom) |
| Wärmebedarf | 300.000 kWh | 300.000 kWh |
| Arbeitszahl (COP) | – | 4,5 |
| Benötigte Energie | 300.000 kWh Wärme | 66.667 kWh Strom |
| Netzbezug | 300.000 kWh | 53.333 kWh Strom |
| PV-Eigenanteil | 0 kWh | 13.333 kWh |
| Kosten pro kWh (Netz) | 0,11 € | 0,31 € |
| Jährliche Energiekosten | 33.000 € | 16.533 € |
| Jährliche Einsparung | – | 16.467 € / Jahr |
4. Fazit & Politische Einordnung
- Ungeklärte Kostenentwicklung: Während Hepstedt für 2026 auf 35.000 € heruntergeplant wird, steigen die Kosten in Wilstedt auf 65.500 €. Meine konkrete Anfrage zu den Ursachen dieser Kostensteigerung bleibt bis heute unbeantwortet.
- Ungenutztes Einsparpotenzial: Eine moderne Wärmepumpenlösung unter Einbindung der vorhandenen 50 kWp Photovoltaik-Anlage würde die laufenden Energiekosten des Heidebades im Vergleich zum geplanten Wärmeliefertarif nahezu halbieren (16.533 € statt 33.000 €).
- Erstaunliche Parallele: Die jährliche Betriebskosteneinsparung einer Wärmepumpenlösung von rund 16.467 € deckt sich fast exakt mit der ungeklärten Nachforderung im Nachtragshaushalt.
- Preisbindung: Bei einer 5 jährigen Preisbindung und einem Strompreis in 2028 von 28 Cent hätte man nach 5 Jahren einen Kostenvorteil von ca. 83.000€.
Forderung an die Ratssitzung:
Bevor der Nachtragshaushalt beschlossen oder langfristige Wärmelieferverträge eingegangen werden, muss die Verwaltung in der öffentlichen Ratssitzung endlich aufklären: Wie kommt dieser kontinuierliche Kostensprung auf 65.500 € zustande und wurde eine wirtschaftlichere Option mit PV-Eigenstrom und Wärmepumpe überhaupt fachgerecht geprüft?
PS. Wie kann man wohl Kostal Wechselrichter am schnellsten auslesen?
Kostal-Service-Partner wissen wie es geht.
Ergänzung: Detailanalyse des Stromverbrauchs & ungeklärte Referenzmengen (Stand: 28. September 2026) Zusätzlich zu den reinen Finanzdaten der Bewirtschaftungskosten zeigt ein Blick auf den tatsächlichen Stromverbrauch des Heidebades Wilstedt über die letzten Jahre eine besorgniserregende Entwicklung:1. Historische Verbrauchsentwicklung im HeidebadFrühere Jahre (Normalbetrieb): verlässlich ca. 30.000 kWh / SaisonFolgejahr: Anstieg auf 50.000 kWh Zuletzt: Anstieg auf 75.000 kWhKostenfolge im Nachtrag 2025: Bereits im Nachtragshaushalt 2025 schlug eine Stromnachzahlung für das Jahr 2024 in Höhe von 12.400 € zu Buche – die direkte Folge des Verbrauchssprungs von 30.000 auf 50.000 kWh.Eine Verbrauchssteigerung von 30.000 kWh auf 75.000 kWh entspricht einem Zuwachs von 150 % – ohne dass den Ratsmitgliedern oder der Öffentlichkeit bisher die technischen Ursachen für diesen massiven Mehrverbrauch erläutert wurden.
2. Vergleich zum Ummelbad (Hepstedt) Ein Quervergleich mit dem Ummelbad unterstreicht die Auffälligkeit der Wilstedter Zahlen:Umwälzpumpen: Der reine Stromverbrauch für die Umwälzung liegt im Ummelbad bei ca. 30.000 kWh pro Saison – was exakt dem früheren Grundverbrauch des Heidebades entspricht. Gesamtstromverbrauch 2025: Das Ummelbad verbrauchte 2025 insgesamt 88.000 kWh (inklusive des gesamten Bades- und Pumpenbetriebs).
3. Offene mathematische Fragen zur unterjährigen Erhöhung um 17.000 € Rechnet man die unterjährige Nachforderung von 17.000€ im aktuellen Nachtragshaushalt bei einem angenommenen Gewerbestromtarif von ca. 28–31 Ct/kWh in Energiemengen um, entspricht dies einem zusätzlichen Strombedarf von rund 55.000 bis 60.000 kWh.Hier stellt sich die entscheidende Frage an die Verwaltung: Auf welche Referenzmenge baut diese Nachforderung auf? Basis 30.000 kWh (alt): Erwarteter Gesamtverbrauch für die Saison: 90.000 kWh Basis 50.000 kWh: Erwarteter Gesamtverbrauch für die Saison: 110.000 kWhBasis 75.000 kWh (zuletzt): Erwarteter Gesamtverbrauch für die Saison: 135.000 kWhOhne Offenlegung der veranschlagten Kilowattstunden und der Ursachen für diese Verbrauchs-Explosion bleibt der Nachtragshaushalt an dieser Stelle rechnerisch unvollständig und fachlich nicht nachvollziehbar.